Unser Reiseblog

4
Jun 2014

Bali, die Insel des Götter

posted in: Indonesien Bali_Blogtitel

Zuerst denkt man, es fände ein Straßenfest statt oder zu Ehren einer bestimmten Person werde gefeiert und die Straße geschmückt. Meterhohe Penjors (eine Girlande aus Kokosblättern auf einem Bambusstamm) stehen vor jedem Haus.
Auf den zweiten Blick erkennt man dann aber auch den sich daran jeweils befindlichen Schrein, die langsam vor sich hin glimmenden Räucherstäbchen, die Blumen, die liebevoll in Schilfkörbchen zusammen mit Reis und anderen Gaben den Göttern zum Opfer gebracht werden.

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Viele der Häuser sind nur zugänglich über eine große schmuckvoll verzierte Pforte, die den Tempelmauern einen Durchbruch verschafft. Im Innern dann erstmal ein Labyrinth. Wo ist denn nun das Haus oder steht man vielleicht gerade mitten in einem Tempel, in dem es gar keine Wohnmöglichkeit gibt? Kann eigentlich nicht sein, steht auf dem großen Schild an der Außenmauer doch, dass sich hier ein Gästehaus verbirgt. Rechts, links, links, rechts. Dann endlich die Rezeption. Wir sind doch richtig. Die Zimmer befinden sich im 2. und 3. Stock und umrunden quasi den im Innenhof liegenden Tempel. Sehr schön. Hier gefällt es uns. Wir bleiben und haben damit einen guten Start in eine Woche Bali geschafft. Eineinhalb Tage verbringen wir in Ubud, was zwar nicht am Strand liegt, dafür aber umgeben ist von wunderschönen Reisfeldern und -terrassen. Ubud könnte man auch als Künstlerstadt bezeichnen. Was das Kunsthandwerk anbelangt, ist es ein Shoppingparadies. Von Holzschnitzereien über gewebte Stoffe, Glaswaren, Bilder in unzähligen Galerien, Schmuck und Kleidung, bekommt man hier alles, was das Herz begehrt. Schon fast zu viel. Ich bin überfordert. Zwar war der Grund, weshalb wir uns für Ubud entschieden auch der, ein bisschen einzukaufen, aber was? Das Angebot ist zu groß, man wird erschlagen von all den vielen schönen Dingen. Vieles kann man nicht kaufen, weil man es nicht im Rucksack verstauen kann. Verschiffen lassen wollen wir es nicht. Eine neue Wohnung, die wir einrichten könnten, haben wir noch nicht. Aber auch bei den kleinen feinen Dingen, fällt die Wahl schwer. Das was wirklich schön ist, ist nicht billig. Zum Teil sogar teurer als in Deutschland und das was günstig ist, mangelt an Qualität. Letztlich habe ich nur einen Anhänger für eine Kette gekauft, den meine Mutter früher schon getragen hat. In Ubud kann man ansonsten sehr gut spazieren gehen, eine Wanderung durch die umliegenden Reisfelder machen oder einfach nur in einem der vielen Cafés die Seele baumeln lassen. Darüber hinaus ist es das Yogamekka auf Bali. An jeder Ecke werden Kurse angeboten, es gibt Geschäfte, in denen man Yogamatten, Yogaklamotten, Yogaliteratur usw erwerben kann. Sowieso ist Ubud sehr auf Gesundheit, Wohlbefinden, Spiritualität und Genuss ausgelegt. Wir haben uns einen Roller gemietet und sind in die nahe gelegenen Reisterrassen gefahren, haben eine Wanderung durch die Reisfelder vorbei am Affenwald gemacht und haben uns am Abend indisches Essen schmecken lassen.

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Im Gegensatz zum übrigen Indonesien ist Bali hinduistisch, nicht muslimisch. 98 % aller Balinesen gehören dem Hinduismus an. Der 31.05. ist ein Feiertag und ganz Ubud hat sich in Schale geschmissen und ist auf die Straßen gegangen um an einem farbenfrohen und musikalisch sehr ansprechenden Umzug teilzunehmen. Dass auch die meisten Geschäfte geschlossen blieben oder schon mittags die Türen verriegelt wurden, wussten wir nicht und so sind wir gar nicht mehr dazu gekommen, noch mehr schöne Dinge für uns oder die Familie und Freunde einzukaufen. Naja, dafür haben wir kulturell einiges geboten bekommen, was einem sicher lange in Erinnerung bleiben wird.

Von Ubud aus haben wir mit einem Roller den Norden und einen Teil des Ostens der Insel erkundet. Wir hielten bei verschiedenen Tempeln u.a. beim Ulun Danu Bratan und Ulun Danu Bratur. Will man auf Bali einen Tempel besichtigen, muss man einen Sarong (langer Wickelrock) tragen und sollte seine Schultern bedeckt halten. Auch beim Mann reicht eine lange Hose nicht aus, er muss sich einen Sarong leihen oder kaufen, sofern er keinen hat. Wir waren nur mit unserer brasilianischen Flagge ausgestattet und kauften daher ein zweites großes Tuch, was Kai sich um die Hüften schlug. Richtig gekleidet bewiesen wir den nötigen Respekt und schauten uns mit Interesse die verschieden hinduistischen Tempelanlagen an. Am schönsten fanden wir den Besakih Tempel (Muttertempel, da er am größten ist). Was uns allerdings häufig genervt hat, war der Umstand, dass wir uns oft unzureichend informiert fühlten. Nicht was die Geschichte oder Bedeutung der Tempel anbelangt sondern vielmehr, was die Preise betraf. Da zahlte man ein Ticket für den Parkplatz, ein weiteres für den Eintritt, ein weiteres für die Leihgabe einer Schärpe. Man betritt den Tempel und steht wenige Meter weiter vor riesigen verschlossenen Türen. Zutritt nur mit Guide, für den natürlich wieder ein Ticket gekauft werden muss. Dann wollen alle noch eine Spende für die Instandhaltung der Anlage und, und und … . Das ging uns wirklich zu weit. Wir waren immer bereit einen Eintrittspreis für die Tempel zu zahlen, aber dann sollen sie doch gleich alles in allem verkaufen, auch wenn das Ticket dann 3,00 EUR teurer wird. Wir haben uns einfach verarscht gefühlt, dachten wir doch mit der Eintrittskarte für den Tempel, diesen auch von innen besichtigen zu dürfen und nicht nur einen Spaziergang drum herum machen zu können. Aber naja, schön waren sie trotzdem.

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Mit dem Roller über Bali zu fahren ist außerhalb der „großen“ Städte leicht, sich straßentechnisch zurecht zu finden, auch mit Karte fast unmöglich. An fast jeder Kreuzung haben wir angehalten und nach dem Weg gefragt. Das war nicht weiter schlimm, denn die Einheimischen kommen direkt auf einen zu und fragen, wie sie weiter helfen können – egal ob sie englisch sprechen oder nicht – aber wir hatten uns für viel Geld vorher extra einen Straßenkarte gekauft. Auf dieser Karte waren allerdings nur die Hauptstraßen eingezeichnet und sobald man diese verlassen hatte, war an den eigenen Orientierungssinn zu appellieren. Es hat letztlich wunderbar geklappt. Wir haben viele Sehenswürdigkeiten erkundet und ein landschaftlich wirklich traumhaftes Bali kennen gelernt. Wer auf Bali Urlaub macht sollte auf jeden Fall sein Hotel für ein paar Tage verlassen und sich die Reisterrassen, die Urwälder, die Vulkane, die Strände im Norden und Osten, kleine Fischerdörfer und Tempel im Inselinneren ansehen.

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Nach einer weiteren Nacht in Ubud (wir mussten den Roller dort ja wieder abgeben), führte uns der Weg nach Kuta. Der Ballermann Balis. Nur noch schlimmer. Es wimmelte nur so von besoffenen grölenden Australiern, die Straßen waren voll von Souvenirläden, Restaurants und Diskotheken. Auf der Suche nach einer Unterkunft lernten wir Benjamin, einen deutschen Langzeitreisenden kennen, der uns direkt sympathisch war und uns anbot, unsere großen Rücksäcke bei ihm im Zimmer zu lagern. Wir hatten nämlich den Plan, direkt wieder einen Roller zu mieten und uns noch den Süden der Insel mit einer Übernachtung anzuschauen. Das Zimmer hätten wir dann in Kuta erst für die nächste Nacht gebucht, aber gefragt, ob wir unsere Sachen aufbewahren können. Wir nahmen sein Angebot gerne an, packen kurz unsere Tagesrücksäcke und machten uns dann auf den Weg Richtung Jimbaran. Nachdem wir ein Zimmer für die Nacht gefunden hatten (zwischen dem Panang-Panang-Beach und Uluwatu) verbrachten wir ein paar schöne Stunden damit, den Surfern am Uluwatubeach beim Wellenreiten der Extraklasse zuzuschauen. Die Wellen sind dort echt richtig hoch und nur was für Könner. Zum Sonnenuntergang sind wir dann zum Uluwatu, einem Tempel, der auf den Klippen direkt über dem Meer gebaut wurde, gefahren. Es war super voll, was aber nur daran lang, dass es ausgerechnet an diesem Abend eine traditionelle Tanzvorführung gab. Nach und nach füllte sich die Arena neben den Klippen und wir hatten freien Blick auf den Tempel, das Meer, die brechenden Wellen und die untergehende Sonne. Wunderschön.

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich ein paar Stunden am Strand liegen und entspannen, aber Kai ging es leider nicht so gut und so fuhren wir zurück nach Kuta, suchten uns ein neues Hotel für die letzte Nacht auf Bali und unternahmen am frühen Nachmittag und Abend noch einen Ausflug gen Westen zum Tanah Lot Tempel, der ebenfalls auf einer Klippe direkt am Meer erbaut wurde. Auch dort herrschte eine tolle Stimmung und bei einer leckeren Kokosnuss genossen wir unseren letzten Abend.

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Zurück in Kuta gingen wir noch griechisch essen, was ein großer Fehler war, denn so wie der Grieche in Deutschland kocht, kocht er nicht weltweit. Danach wollten wir nur noch ab ins Bett und schlafen. An Schlaf war aber leider nicht zu denken. Trotz Ohropax dröhnte die Musik aus der Disko nebenan bis ca. 04:30 Uhr durch unsere Matratzen. Zum Glück mussten wir erst um 12:00 Uhr auschecken, also blieb noch genug Zeit für ein Frühstück und zum Packen der Rücksäcke (das letzte Mal auf dieser Reise :-( )

Das einzige Highlight dieses letzten Tages bestand dann allerdings darin, den Swimmingpool nochmal so richtig ausgiebig nutzen zu können. Unser Taxi zum Flughafen holte uns erst am Nachmittag ab und bis dahin hieß es warten – und nochmal so richtig schön faulenzen!!!!! Uns fiel auch in diesen letzten Stunden erst auf, dass wir das erste Mal auf der Reise ein Hotel mit Swimmingpool hatten. Der ein oder andere Campingplatz in Neuseeland war zwar mit einem Pool ausgestattet, genutzt hatten wir die Chance einer Abkühlung damals allerdings nie. Und so war es dann doch noch etwas ganz besonderes, mitten im tosenden Kuta in einem ruhigen Garten zu liegen und ab und zu ein paar Bahnen im blauen Pool zu ziehen :-)

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