Unser Reiseblog

21
Mai 2014

Am Limit

posted in: Indonesien Lombok_Blogtitel

Nach den aufregenden Tagen im Komodo Nationalpark und der anschließenden entspannten Bootstour nach Lombok stand das nächste große Event vor der Tür. Noch auf dem Boot organisierten Gregory, Valerie (zwei Franzosen, die wir auf der Tour kennengelernt hatten) und ich alles für die kommenden drei Tage.

Die Herausforderung der nächsten drei Tage und zwei Nächte war es, von Sembalu nach Senaru zu gelangen. Was im ersten Moment wie ein Wortspiel klingt war im Nachhinein die für mich körperlich anstrengendste Aktivität auf unserer Reise.

Svenja hatte im Vorfeld bereits abgewunken und mir das Feld überlassen. Sie war sich sicher, diese Herausforderung nicht oder wenn dann nur mit Einschränkungen und viel Gemecker zu bewältigen. So war ich auf mich allein gestellt und als der Wecker am nächsten Morgen um 04:30 Uhr klingelte, blieb Svenja einfach liegen und ich machte mich alleine auf den Weg.

Um 05:00 Uhr wurde ich von einem Fahrer vor unserem Hotel eingesammelt. Die beiden Franzosen saßen bereits im Wagen. Wir erreichten den Ausgangspunkt unseres Abenteuers Sembalu nach einer ca. zwei stündigen Autofahrt. Im Büro des Veranstalters gab es zur Begrüßung erst einmal Kaffee und einen Banana Pancake, schonmal ein guter Start in den Tag. Wenig später gesellte sich unser Guide Dogong hinzu und erklärte uns den Ablauf der kommenden drei Tage. Unsere Gruppe vergrößerte sich nach dem Frühstück noch um Steffanie und Marie-Jose, zwei Frauen aus dem französisch sprachigen Teil Kanadas. Wie bereits erwähnt bestand die Herausforderung darin, von Sembalu nach Senaru zu wandern. Das Problem bzw. das Besondere ist, das sich zwischen beiden Orten der Rinjani, der zweihöchste Vulkan Indonesiens erhebt. Die einschlägig bekannten Reiseführer bezeichnen diese Mehrtagestour als eines der Highlights Indonesiens, warnen aber gleichzeitig davor, sich nicht zu übernehmen und äußerst vorsichtig zu sein. In den vergangenen Jahren sind bei der Besteigung des Vulkans mehrmals Menschen tödlich verunglückt.

Lombok_Text_01Als erstes ging es auf der Ladefläche eines kleinen Lasters zum Startpunkt, ein paar Kilometer entfernt. Mit von der Partie waren neben uns und unserem Guide auch fünf Porter, die in den kommenden Tagen alle nötigen Utensilien von Tellern und Tassen über das gesamte Essen bis hin zu Zelten und Schlafsäcken von Lager zu Lager transportierten. Um die bis zu 30kg schweren Lasten zu tragen, wurden an beiden Enden einer massiven Bambusstange zwei große Körbe befestigt, in denen alle Sachen verstaut wurden. Die Porter schultern diese Konstruktion und wechseln alle paar Minuten die Schulter, um wenigstens ein wenig Komfort zu bewahren. Manche der Porter, wie beispielsweise der 17 jährige Eddy (Sohn unseres Guides), wiegen nur 45kg und haben die Figur eines 12 jährigen Schulmädchens in Deutschland. Unvorstellbar, wenn man bedenkt, dass diese Jungs in den kommenden Tagen gut die Hälfte ihres eigenen Körpergewichtes über mehrere Stunden pro Tag auf den Vulkan und wieder runter tragen.

Unser erstes Tagesziel war das Nachlager auf dem Rand des Kraters, unterhalb des Gipfels des Rinjanis. Sembalu liegt auf einer Höhe von 1100m. Auf unserem Weg machten wie Halt bei Pos I (1300m), Pos II (1500m), was gleichzeitig unser Platz fürs Mittagessen war und Pos III (1900m). Wir erreichten den Kraterrand (2640m) vollkommen erschöpft nach 8,5 Stunden. Die Porter waren deutlich schneller als wir und hatten schon Wasser für einen heißen Kaffee gekocht und teilweise die Zelte aufgebaut. Der Aufstieg zum Kraterrand war besonders im letzten Drittel sehr steil und anstrengend. Zu unserem Glück wanderten wir ab der Hälfte der Strecke in den Wolken, was die Temperatur auf ein verträgliches Maß senkte. Nach einem leckeren Abendessen ging es aufgrund der rapide gefallenen Temperatur und des Programms des nächsten Tages bereits um 20 Uhr ins Bett/Zelt.

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Der zweite Tag startete mit einem heißen Kaffee bereits um 02:30 Uhr in der Nacht. Nach einer kleinen Stärkung machten wir uns um 03:00 Uhr auf, den Gipfel des Rinjanis zu erklimmen. Ziel war es, in drei Stunden den Gipfel zu erreichen, um von dort den Sonnenaufgang über Sumbawa zu genießen. Das erste Drittel des Weges war sehr steil und durch kleine Steine und Sand sehr rutschig. Der Mittelteil hingegen führte auf einem relativ flachen Plateau entlang des Kraters. Im Dunkel der Nacht konnte man nur erahnen wie tief es links und rechts von einem runter ging. Das letzte Drittel hatte es dann noch einmal so richtig in sich. Es ging eine Stunde auf einem sandig-steinigen (Lavagestein), schmalen Pfad steil bergauf.

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Durch das lose Geröll machte man einen Schritt vorwärts und rutschte einen halben Schritt zurück. Auf dem Weg passierten wir sich übergebende Asiaten. Ihnen bekam wohl die Höhe oder die Anstrengung oder die Mischung aus beidem nicht. Es war eine echte Tortour. Letztendlich schafften wir es allerdings rechtzeitig zum Gipfel und genossen eingehüllt in unsere Schlafsäcke (es war bitterkalt) den Sonnenaufgang in einer Höhe von 3726m. Nach einem tollen Sonnenaufgang, einer grandiosen Sicht (man kann vom Gipfel sowohl Bali im Westen als auch Sumbawa im Osten sehen) und unzähligen Fotos machten wir uns wieder an den Abstieg um 3 Stunden später im Camp unser wohlverdientes Frühstück zu uns zu nehmen.

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Nach einer kurzen Pause setzten wir unseren Marsch fort, nächstes Ziel waren die heißen Quellen am Rand des Kratersees. Von 2640m stiegen wir in vier Stunden zum Kratersee auf 2000m ab und genossen zwei Stunden das heiße Wasser in einem kleinen Naturpool direkt unter einem ca. 25m hohen Wasserfall. Eine Wohltat für die geschundenen Muskeln. Das Camp für die zweite Nacht errichteten wir direkt neben dem See und ließen den Tag beim Abendessen mit Kerzenlicht ausklingen.

Der dritte und letzte Tag startete um 5:00 Uhr in der Früh. Nach dem Frühstück und Sachen packen machten wir uns um 06:00 Uhr auf, den Kraterrand (diesmal aber auf der anderen Seite des Sees) zu erklimmen. Wir schafften die 640 Höhenmeter in knapp drei Stunden und genossen einen tollen Ausblick auf den Gipfel des Rinjanis, den Kratersee und den neuen Krater (entstanden beim Ausbruch 2009) im See.

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Die letze Etappe der Wanderung von Sembalu nach Senaru ging nur noch bergab. Hier war uns das Wetter nicht wirklich wohlgesonnen. Vom Kraterrand (2640m)bis Pos III (2000m) liefen wir noch über den Wolken. Ab Pos III änderte sich jedoch das Wetter und es begann stark zu regnen. Wir wurden komplett nass und trafen an Pos II (1500m) und Pos I (1115m) Gruppen, die die Besteigung in umgekehrter Richtung in Angriff nahmen und unter kleinen Unterständen Schutz vor dem Regen suchten. Kein guter Start in eine Alpine Wanderung, wenn gleich am ersten Tag das gesamte Gepäck komplett nass wird. Wir erreichten schließlich Senaru (601m) erschöpft aber überglücklich nach 5 Stunden.

Alles in Allem waren es 31,5 km in drei Tagen. Rechnet man die bewältigten Höhenmeter (Auf- und Abstiege) zusammen, kommt man auf 7133m. Diese Zahlen habe ich noch Tage später in meinem Beinen gespürt.

Und ich (Svenja) habe mich in den drei Tagen ohne Kai auch nicht gelangweilt. Am ersten Morgen habe ich nachdem Kai das Zimmer ja bereits um 5:00 Uhr verlassen hatte, erstmal ausgeschlafen und es mir danach mit einem Lombok Kaffee und ausgiebigem Frühstück am Pool gemütlich gemacht. Bei einem Spaziergang an der Strandpromenade und über den Kunstmarkt, auf dem es allerhand Schmuck, Kleidung und Holzschnitzereien zu kaufen gibt, habe ich auch das ein oder andere Reisebüro aufgesucht. Ich musste heraus finden, wie wir am besten (günstigsten) von Lombok auf die Gili Inseln gelangen können (mit dem Taxi nach Bangsal und von dort mit einem Public Boat) und wollte mir ein paar Informationen zu möglichen Tagesausflügen auf Lombok einholen. Am Nachmittag las ich schließlich in aller Ruhe mein Buch zu Ende und organisierte mir für den nächsten Tag einen Kochkurs. Den Abend verbrachte ich dann mit einem belgischen Pärchen, das wir auf der Bootstour von Flores nach Lombok kennen gelernt hatten. Am zweiten Morgen wurde ich um kurz vor 10:00 Uhr abgeholt. Von einem Schweizer namens Andi, der mit seiner indonesischen Frau 15 Jahre in der Schweiz gelebt hat und zusammen mit ihr und den beiden Kindern vor 2,5 Jahren zurück nach Lombok kam um ein kleines Gästehaus mit sechs Zimmern und eine Kochschule zu eröffnen.

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Das Business läuft gut. Die Kochkurse werden von der Frau geleitet und täglich können bis zu sechs Personen teilnehmen. Ich war in einer Gruppe mit zwei australischen Pärchen und einer Frau aus Bangladesch, die mit ihrem Mann in London lebt und als Ärztin auf der Kinderkrebsstation eines Krankenhauses arbeitet (taffer Job). Wir kochten zusammen sechs verschiedene indonesische Gerichte und hatten einen lustigen Vormittag.

Lombok_Text_08Am letzten Tag als Strohwitwe unternahm ich einen Tagesausflug zu mehreren kleinen Dörfern auf Lombok sowie zu drei wunderschönen Stränden im Süden der Insel. Ich hatte einen privaten Fahrer, der gut englisch sprach und mir viel über Lombok, Kultur und Religionen, seine Familie und Freunde erzählt hat. Ich wäre lieber in einer Gruppe unterwegs gewesen, aber die Touren werden in der Regel für zwei Personen angeboten und da ich keine weitere fand, war ich eben allein (natürlich zum gleichen Preis, aber man gönnt sich ja sonst nichts). Am Abend kam dann Kai endlich wieder und berichtete erstmal von seinem Vulkanabenteuer.

One comment
  1. Ingo
    Mai 24, 2014

    Hallo Ihr zwei,
    schön, dass Ihr wieder mal alles gut überstanden habt (Komowarane, Strömungstauchen, Vulkanwanderung)! Ich hoffe nur, dass Ihr die letzten Tage Eurer Weltreise auch noch unbeschadet übersteht. Mir rutscht schon beim Lesen Eurer tollen Berichte immer wieder das Herz in die Hose! Die Bilder sind wieder einmal großartig. Ich wünsche Euch noch ein paar tolle Tage und freue mich schon riesig auf den 04.06.!!!
    Ganz liebe Grüße,
    Papa

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