Unser Reiseblog

17
Mai 2014

Vergessene Welt

posted in: Indonesien Komodo_Blogtitel Kopie

Ein weiteres Ziel, was auf unserer Reise durch Indonesien auf dem Programm stand, war der Nationalpark um die Insel Komodo. Berühmt geworden ist die Insel Komodo und deren Nachbarinsel Rinca durch die extrem großen und zum Teil sehr gefährlichen Komodowarane.
Auch wir wollten in diese vergessene Welt eintauchen und die größten noch lebenden Dinosaurier neben den Krokodilen in freier Wildnis erleben. Nach unserer Begegnung mit den Waldmenschen im Dschungel von Borneo ging es mit einem Zwischenstop in Jakarta und auf Bali nach Labuan Bajo auf der Insel Flores. Am Flughafen wurden wir von einem Pärchen angesprochen, was nach Unterkünften suchte, aber auch nur den Lonely Planet für gesamt Südostasien dabei hatte. Kurze Zeit später schaltete sich noch eine weitere junge Dame in das Gespräch mit ein und so diskutierten wir die ersten paar Minuten über Unterkünfte und Aktivitäten für die nächsten Tage auf englisch, bis wir alle feststellten, dass wir geschlossen aus „Good Old Germany“ stammen. Klein ist doch die Welt. Am Ausgang der Ankunftshalle wurden wir auch sogleich von einem jungen Mann abgefangen der uns per Taxi zum Guesthouse (Palulu Garden Homestay)seines Kumpels Cornelius brachte. Im Nachhinein war es für uns ein Glücksgriff, hörten wir doch später, dass viele der Unterkünfte in Labuan Bajo entweder unverschämt teuer sind oder dreckig und schimmelig. Wir hatten ein noch nach frischem Zement duftendes Zimmer (brandneu) mit eigenem Bad und Ventilator. Darüber hinaus war Cornelius ein toller Gastgeber, stets hilfsbereit und am Morgen ein versierter Pancakewender.

Wir machten uns noch am selben Abend in unserer neuformierte Reisegruppe auf in das Dorf, um die Aktivitäten der nächsten Tage zu planen. Wir wussten, dass unserer nächstes Ziel die Insel Lombok sein wird. Man kann sich entweder 3 Tage in einen völlig überhitzten Localbus setzten oder mann legt die Strecke durch den Komodo Nationalpark und die angrenzenden Inseln einfach per Boot zurück. Da es mehrere Anbieter mit unterschiedlichen Programmen gibt und die Hochsaison im Mai noch vor der Tür stand, mussten wir nicht lange im Voraus reservieren und konnten spontan entscheiden, wem wir uns anschließen wollten. Letztlich buchten wir eine 2 Tage- 2 Nächte Tour mit Perama.

Neben den Komodowaranen ist die Region um Labuan Bajo noch für seine atemberaubende Unterwasserwelt bekannt. Durch eine zum Teil lebensgefährliche Strömung, die je nach Ebbe oder Flut von Nord nach Süd oder umgekehrt zwischen den kleinen Inseln im Park verläuft, gibt es verstärktes Korallenvorkommen was wiederum viele Fische anzieht. Neben all den kleinen Fischen wie Anemonenfischen (der kleine aus „Findet Nemo“), Pagageinfischen, Skorpionfischen usw. besteht auch die Chance, etwas größere Bewohner der Meere wie Haie, Schildkröten, Muränen oder Mantarochen zu sehen. Die letztgenannten waren auch der Grund, warum Svenja und ich uns für den nächsten Tag für eine Tauchtour anmeldeten. Auf dem Programm standen Batu Balong (bekannt für seine lebensgefährliche Unterströmung und viele gesunde Korallen), Saba Kecil (toller Tauchspot mit einer wahnsinnigen Strömung) und der Mantapoint, der wie der Name schon vermuten lässt, von Mantas zum Fressen und zum Säubern aufgesucht wird.

Die ersten zwei Tauchgänge waren echt toll und sehr, sehr anspruchsvoll. Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt noch keine Erfahrung im Strömungstauchen und war überwältigt von der schier unendlichen Kraft des Wassers. Man wird mit zwei bis drei Meter pro Sekunde an den Korallen vorbeischoben und ist nicht in der Lage, sich mit eigener Kraft an einem Stein festzuhalten. Mein Tauchguide nutze einen Harken und ein starkes Seil und ich hielt mich mit beiden Händen an seiner Sauerstoffflasche fest. So in der Strömung „stehend“ konnte man das Rauschen des vorbeischießenden Wasser laut und deutlich in den Ohren hören. Hätte man den Kopf ein wenig zur Seite gedreht, hätte es einem die Tauchermaske vom Gesicht gerissen. Beängstigend und zugleich faszinierend. Wir haben viele Schildkröten, lebende farbenfrohe Korallen, große und kleine Fische, eine große Muräne und sogar einen Riffhai gesehen.

Das Highlight des Tages sollte für mich aber eigentlich der Tauchgang am Mantapoint werden. Ich wollte schon immer Mal mit diesen riesigen Tieren im Wasser schweben. Der Mantarochen ist zwar recht weit verbreitet, jedoch gibt es auf diesem Planeten nur eine Hand voll Orte, an denen diese Tiere in großen Gruppen leben und eine Begegnung fast garantiert ist. Einer dieser Orte ist der Mantapoint im Komodo Nationalpark. Heiß wie Frittenfett stand ich als erster an der Reling unseres Tauchbootes und so war meine Gruppe auch die erste im Wasser. Unser Guide entschied sich, dass Gebiet links vom Boot abzusuchen. Wir drehten eine Runde nach der anderen und brachen den Tauchgang nach 60 Minuten, ohne auch nur einen Mantarochen gesehen zu haben, ab. Vollkommen enttäuscht warteten wir auf unser Tauchboot, welches uns nach fünf Minuten einsammelte. Auf dem Boot dann der Schock, alle anderen, sogar Svenja als Schnorchlerin hatten mindestens 5 Mantas gesehen. Das kann doch nicht angehen, dachte ich mir und so nahm der Tag einen für mich eher bescheidenen Abschluss. Aufgrund dieses Erlebnisses entschieden wir uns, unsere Weiterreise nach Lombok um zwei Tage zu verschieben, um einen zweiten Anlauf zum Mantapoint zu starten. Diesmal hatte ich mehr Glück, viel mehr Glück. Es wurde für die gesamte Bootscrew einer der besten Tage am Mantapoint. Ich habe bei 25 Mantas aufgehört zu zählen. An guten Tagen sagte man uns, kann man 10- 15 Tier sehen. Ich schwamm neben, unter, über und hinter den Mantas. Ein echt tolles Gefühl. Nach diesem Tauchtag war für mich die Mission „Schwimmen mit Mantas“ erfolgreich beendet und auch Svenja kam als Schnorchlerin wieder voll auf ihre Kosten.

Noch am gleichen Abend wurden wir mit einem kleinen Motorboot zu einem größeren im Hafen liegenden Schiff gebracht, welches für die nächsten 2 Tage unsere neues Zuhause war und uns nach Lombok brachte.

Am ersten Abend fand eine Willkommensparty statt, auf der die Jungs der Bootscrew so richtig die Puppen tanzen ließen. Wir lernten bei ein paar Bieren die anderen Teilnehmer Tage kennen und fielen um Mitternacht vollkommen geschlaucht auf unsere Matratze auf dem Oberdeck und schliefen unter freiem Himmel. Wir beobachteten noch ein wenig die Sterne über uns uns schliefen kurz darauf ein.

Nach einer recht kurzen Nacht weckte uns am nächsten Morgen die aufgehende Sonne und der Motor des Bootes. Nach dem Frühstück stand der Landgang auf der Dracheninsel Rinca auf dem Programm. Die Warane auf Komodo und Rinca sind die größten Echsen der Welt und können bei einer Länge von drei Meter ein Gewicht von 70 kg erreichen. Anders als Tiger, Haie oder andere gefährlichen Tiere auf diesem Planten, sind tödliche Waffen der Warane nicht deren Zähne sondern deren Speichel. Dieser ist so giftig, dass sich die Wunde beim Opfer binnen kurzer Zeit so stark entzündet, dass man daran stirbt. Wo in anderen Ländern gegen solch gefährliche Tiere Schutzmaßnahmen wir Zäune, Gewehre, Gräben und Schutzkleidung eingesetzt werden, vertraut der Indonesier auf ein Stück Holz. Dieser ca. 2 Meter lange Stab soll den Waran bei einem möglichen Angriff vom Beißen abhalten.

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Ich stehe dem ein wenig skeptisch gegenüber. Gott sei dank mussten unsere Ranger ihre Stöcke nicht einsetzten. Trotzdem soll es vor kurzem Zwischenfälle mit Bissattacken gegeben haben. Die Opfer sind immer noch im Krankenhaus zur Behandlung.

Eine weitere Sicherheitsmaßnahme, insbesondere für Touristen wurde vor einiger Zeit von der indonesischen Regierung geschaffen. Um schlechte Presse zu vermeiden (diese würde den Tourismus und somit die Einnahmen stark einschränken) sind die Ranger angehalten sich zwischen einen angreifenden Waran und sein Opfer zu werfen. Die Regierung meint scheinbar, besser ein Ranger als ein Tourist. Bisse an Locals verschwinden binnen kürzester Zeit in der Versenkung.

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Bereits bei der Ankunft im Rangercamp sahen wir vier Waran, die sich in der Sonne aufwärmten. Häufig kommen diese Tiere ins Dorf mit der Hoffnung, leichte Beute in Form von Küchenabfällen zu ergattern. Das war nicht das, was wir uns unter Warane in der Wildnis beobachten, erhofft hatten und so machten wir uns in der Gruppe (25 Leute vom Boot plus 3 Ranger mit Holzstangen) auf, um auf dem 2 stündigen Fussmarsch bei 35 Grad über die Insel auf ein wildes Exemplar fündig zu werden. Nach ca. einer Stunde regte sich keine 15m neben uns im hohen Gras etwas und tatsächlich Sekunden später schnellte eine lange Zunge aus den Grashalmen gefolgt von einem Waran stattlicher Größe (ca. 2,5m). Die Ranger brachten sich mit ihren Holzstangen in Position, jedoch zeigte das Tier kein Interesse an uns und verschwand wenig später wieder in der Savanne. Krass, unser erster und wahrscheinlich letzter Komodowaran in freier Wildbahn.

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Zurück auf dem Boot setzten wir unsere Reise Richtung Lombok fort, machten noch zwei Stops zum Schnorcheln und sprangen bei Moyo Island an einer Liane schwingend von einem ca. 5m hohen Wasserfall in einen erfrischenden Naturpool. Leider vergingen die 2 Tage auf dem Boot wie im Flug. Wir wären gerne noch etwas länger um die Inseln geschippert und hätten den Delfinen beim Spielen und Springen im Wasser zugeschaut.

2 comments
  1. Sabine
    Mai 29, 2014

    Danke Kai für dem spanenden Bericht, das tolle Video und die schönen
    Bilder. Das war wieder mal sehr mutig, was ihr Beide so unternommen habt.
    Jetzt freuen wir uns auf euch.
    Liebe Grüße Hartmut & Sabine

  2. Horst
    Jun 01, 2014

    Hallo Kai, wieder ein tolles Abenteuer, dass ihr uns da liefert! Klasse Bilder und eine spannende Reportage – da würd ich auch gern mal hin :-)

    Schöne Grüße, Horst

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