Unser Reiseblog

12
Mai 2014

Zu Besuch bei den Waldmenschen

posted in: Indonesien Borneo_Blogtitel

Was fällt einem ein, wenn man an Borneo denkt? Borneo Brüllaffen? Vielleicht, aber denkt man auch direkt an Orang Utans? Ich jedenfalls nicht.
Nachdem wir auf unserer Reise schon so viele exotische Tiere gesehen hatten, fehlten nur noch die vom Aussterben bedrohten Orang Utans, deren Lebensraum mittlerweile so geschrumpft ist, dass sie in freier Wildbahn nur noch auf Borneo und Sumatra zu finden sind. Orang Utan ist malaiisch und bedeutet soviel wie Waldmensch. Der Orang Utan ist das größte auf Bäumen lebende Säugetier der Welt, einige Männchen werden ca. 1,50m groß und wiegen an die 100kg. Sie ernähren sich überwiegend vegetarisch von Früchten, Trieben, Blättern, Nüssen und Baumrinde. Ab und zu gönnen sie sich auf mal Termiten oder Eier. Obwohl diese Affenart sehr intelligent ist, kann sie ihre Lebensweise nicht an das Schrumpfen des Regenwaldes anpassen. Bemerkenswert ist, dass die DNA der Orang Utans zu 95% der des Menschen identisch ist. Es ist verrückt, wenn man bedenkt, dass die übrigen 5% die Evolution so beeinflusst haben, dass wir heute Mikrochips und Atomraketen entwickeln während die Orang Utans auf Bäumen leben.

Grob gesagt gibt drei Regionen, in denen man eine geführte Tour in den Dschungel unternehmen kann, um die Orang Utans zu beobachten. Im Norden Borneos, welcher zu Malaysia gehört, in Bukit Lawang auf Sumatra (Indonesien) und im Tanjung-Puting-Nationalpark in Kalimantan, dem Süden Borneos (Indonesien). Wir entschieden uns, den Tanjung-Puting-Nationalpark aufzusuchen, weil dort die größte Population vorhanden ist und die Chance, einen Orang Utan in der Wildnis zu sehen, am höchsten ist. Zudem war die Anreise für uns weniger aufwendig, als nach Malaysia oder Sumatra zu fliegen. Im Tanjung-Puting-Nationalpark gründete die bedeutendste Primatenforscherin Dr. Birutè Galdikas 1971 das Camp Leakey. Erreichbar nur per Boot über den Fluss Sekonyer und den Fluss Simpang Kanan. Angeboten werden so genannte Kelotokfahrten. Ein Kelotok ist eine Art Hausboot, auf dem neben einer 4 köpfigen Crew und einem Guide bis zu 4 Passagiere (meistens aber nur 2) Platz finden. Geschlafen wird auf dem Oberdeck, eine Matratze, Kissen sowie ein Moskitonetz bilden das Bett für ein, zwei oder drei Nächte, je nachdem, wie viele Tage man unterwegs sein möchte. Es gibt eine leckere Vollverpflegung und zwei Stühle direkt in der Front lassen einen fühlen, wie in einem Theater in der ersten Reihe, die Kulisse: Regenwald, soweit das Auge reicht! Das Camp Leakey könnte man von Kumai, dem Ausgangspunkt aller Flussfahrten auch in 4 Stunden erreichen. Dann würde man auf dem Weg dorthin allerdings die zwei weiteren Camps Tanjung Harapan und Pondok Tangguy verpassen, die ebenfalls sehr sehenswert sind und eine Begegnung mit den Waldmenschen fast garantiert ist. Angeboten werden zwei, drei oder vier Tages Touren. Wir wählten die goldene Mitte und schrieben unseren Guide Jefri, dessen E-Mail-Adresse wir über einen hilfreichen Bericht einer Bloggerin in Erfahrung brachten, direkt an und fragten nach einem freien Termin. Dabei waren wir relativ unflexibel, musste doch die Tour am 08. oder 09. Mai starten, damit wir nach hinten heraus unseren Zeitplan für das übrige Indonesien einhalten konnten. Aber anscheinend war das Glück auf unserer Seite und Jefri hatte Zeit, die Tour mit uns am 08. Mai zu starten. Er organisierte das Kelotok, die Crew, die Eintrittskarten für den Nationalpark, den Transport vom und zum Flughafen in Pankalan Bun und ein Hotel in Kumai. Für die gesamte Tour zahlten wir letztlich 5,7 mio IDR, was ein fairer Preis ist. Jefri (jefri.guide@gmail.com) war eine ausgezeichnete Wahl. Ein fantastischer Guide. Jung, aber dennoch sehr erfahren, intelligent, wissbegierig, witzig und stets aufmerksam und hilfsbereit. Wir können ihn zu 100% weiter empfehlen und würden auch jedem raten, ihn direkt zu kontaktieren und die Tour nicht über einen Touranbieter oder ein Reisebüro zu buchen. So spart man sich die Kommission, die ansonsten oben drauf kommt. Jefri hat mehrere Jahre in einem Care Center gearbeitet. Dort werden Waisenkinder, deren Mütter vorsätzlich getötet wurden oder anderweitig ums Leben gekommen sind, groß gezogen oder verletzte Orang Utans aufgepeppelt und auf ein Leben in der Wildnis vorbereitet. Normalerweise bleibt ein Jungtier nach der Geburt 7 Jahre lang bei seiner Mutter. Die kleinen Affen lernen in dieser Zeit, welche Früchte sie essen können, wie man ein „Nest“ zum Schutz vor Regen baut und welche Äste beim Schwingen durch den Dschungel das Gewicht tragen. Wird ein Baby nach der Geburt von der Mutter verlassen, bzw. stirbt die Mutter, kann es ohne die Hilfe eines Menschen nicht überleben. In einem Care Center leben teilweise bis 300 Orang Utans. Sind sie soweit, dass sie allein im Dschungel überleben können, werden sie in eines der Camps gebracht und dort ausgewildert. Teil des Rehabilitationsprozesses ist dann die tägliche Fütterung der Orang Utans auf einer Dschungelplattform, bei der Besucher zuschauen können. Die Ranger legen Bananen oder Süßkartoffeln bereit und locken die Affen mit bestimmten Rufen an. Die Orang Utans, die im Dschungel nicht genügend Futter finden, kommen nach und nach zu der Plattform und lassen sich die Köstlichkeiten schmecken. Meistens erscheinen zwischen 5 bis 10 Affen zu den Fütterungen. Manche trauen sich nicht, da in der Rangordnung höhere Tiere die Plattform besetzten. Entweder müssen sie dann warten, bis der Stärkere sich satt gegessen und – hoffentlich – etwas übrig gelassen hat oder sie gehen direkt in die Camps zu den Hütten der Ranger und hoffen auf eine Privatfütterung. Die Fütterungen erfolgen nur unterstützend, da die Affen zu manchen Jahreszeiten nicht ausreichend Früchte im Wald finden oder viele Mütter mit ihren Jungen einen höheren Bedarf haben.

Die Fahrt begann morgens und wir fuhren von Kumai den Fluss Sekonyer hinauf. Das Wasser ist braun, verfärbt von Sedimenten, die aus einer Goldmine flussaufwärts ins Wasser hinein gespült werden. Die Vegetation besteht am Anfang noch überwiegend aus Palmen und Mangroven. Nach und nach verändert sich aber das Landschaftsbild, der Fluss wird schmaler, am Rand wachsen immer mehr Bäume und man sieht rechts und links ab und zu kleine Seitenarme in den Fluss fließen, die neben der braunen Brühe pech schwarz wirken. Komischerweise ist das schwarze Wasser aber sehr sauer, ja fast sogar glasklar. Es wirkt nur schwarz, weil sich auf dem Grund Blätter abgesetzt haben, sich schwarz verfärbt haben und daher nach oben hin auch nur die dunkle Farbe erkennen lassen. An Stellen, an denen der Fluss nicht so tief ist, kann man die Blätter gut erkennen und auch die Wasserqualität genau ausmachen. Je weiter wir in den Nationalpark vordrangen, desto schmaler wurde der Fluss, teilweise konnte man rechts und links die Bäume berühren.

Auf dem Weg zu den Camps hatten wir bereits Makaken, Nasenaffen und Eisvögel gesehen. Das Highlight waren dann aber die Orang Utans, denen wir das erste Mal im ersten Camp, bei der dortigen Fütterung um 15:00 Uhr gegenüberstanden. In dem dortigen Dschungelgebiet leben etwa 20 Affen, die unregelmäßig die Futterplattform aufsuchen. Schon bevor die Ranger mit ihren Körben erschienen, raschelte es in den Baumkronen und nach und nach konnten wir die in der Sonne rot leuchtenden Tiere erblicken. Wahnsinn. Einmalig. Wunderschön. Ein unbeschreibliches Gefühl, einem vom Aussterben bedrohten Tier in freier Wildbahn, mitten im Dschungel plötzlich so nah zu sein. Als die Ranger auf dem Weg zur Plattform ihre Rufe ausstießen und schließlich die Süßkartoffeln auf den Holzlatten verteilten, erschienen immer mehr Affen.

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Junge und ältere, Mütter mit ihren Babies und dann passierte etwas auf den ersten Blick unerklärliches. Plötzlich verschwanden alle Orang Utans, die zuvor noch genüsslich das Essen in sich hinein schaufelten von der Plattform in die Bäume oder in den Wald und für ein paar Minuten herrschte absolute Ruhe. Dann tauchte auf dem Dickicht das Alphamännchen auf, ein etwa 1,50m großes Tier, vor dem scheinbar alle anderen Angst oder zumindest großen Respekt haben und er daher ganz allein und ungestört so viel und so lange essen konnte, wie er wollte. Dass da Menschen vor dem Zaun (nur ein zwischen Bäumen gespanntes Seil) standen, die sie beobachteten, schien keinen der Affen zu stören. Sie beobachten einfach zurück :-)

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Nachdem wir die erste Nacht gut hinter uns gebracht hatten und in der Früh von den Rufen der Gibbons aus dem Dschungel geweckt wurden, ging die Fahrt weiter Richtung Camp Leakey, in dem ca. 50 Orang Utans wohnen. Dort angekommen, unternahmen wir zunächst eine Wanderung durch den Regenwald, der seinem Namen alle Ehre machte. Ab der Hälfte unseres Weges schüttete es wie aus Eimern und wir wurden trotz der schützenden Bäume nach und nach pitschnass. Durch einen solchen Regenschauer ließen wir uns aber nicht die gute Laune verderben. Vielmehr empfanden wir es als Erfrischung, herrschen auf Borneo doch Temperaturen um die 35 Grand. Auf unserem Treck beobachteten wir Gibbons, die sich sogar von Kai mit ein paar Erdnüssen, die unser Guide dabei hatte, füttern ließen. Man wirft die Nuss einfach in die Luft und die Affen fangen sie.

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Wir kamen vorbei an Termitenhügeln und konnten ein paar Wildschweinen beim Schnüffeln zusehen. Leider haben wir die Orang Utans nicht ausfindig machen können. Sie mögen keinen Regen und verstecken sich daher unter selbst gebauten Nestern aus Zweigen und Blättern. Solche Nester bauen sie sich übrigens auch jeden Abend für die Nacht. Als wir völlig durchnässt wieder am Bootssteg ankamen staunten wir allerdings nicht schlecht. Zwei der Orang Utans und später auch ein Weibchen mit ihrem Jungen hielten sich direkt am Anleger auf und hofften auf etwas zu Essen von den Touristen auf den drei Booten, die im „Hafen“ lagen. Das Füttern der Affen ist allerdings streng verboten und so blieb den Tieren nichts anderes übrig als zur Plattform zu gehen oder leer aus zu gehen. Sofern es stark regnet, findet keine Fütterung statt. Wir hatten aber Glück und nach unserem Mittagessen auf dem Boot hörte es auf zu regnen und wir wanderten wieder in den Dschungel hinein, gefolgt von einem der hungrigen Orang Utans.

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Um 14:00 Uhr fand schließlich die Fütterung auf der Plattform statt. Hier gab es neben Bananen und Süßkartoffeln auch noch Milch, auf die sich insbesondere die noch jungen Tiere stürzten. Leider ließ sich Tom, das gegenwärtige Alphamännchen im Camp Leakey nicht blicken. Im Anschluss wartete allerdings noch ein ganz besonderes Highlight auf uns. Um den Artenbestand im Dschungel aufrecht zu erhalten, pflanzten wir einen Baum. Kai einen, von dessen Blättern sich die Orang Utans ernähren können und ich einen, der sehr alt wird, hoch wächst und so hart wir Eisen wird.

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Am dritten Tag besuchten wir dann noch die Fütterung im 2. Camp und machten einen Spaziergang durch ein kleines Dorf. Das zweite Camp hat das größte Einzugsgebiet. Ca. 100 Affen aus dem Dschungel können hier die Fütterung in Anspruch nehmen. Leider kam nach ca. 30 Minuten eine Reisegruppe mit Rentnern aus aller Welt an, ungefähr 35 Leute, die sich mit ihren Kameras um die Plattform drängten. Das war uns zu viel und so zogen wir es vor, zum Boot zurück zu gehen. Am Abend ging es dann den Fluss hinab Richtung Kumai und wir genossen einen wunderschönen Sonnenuntergang. In der Dunkelheit des Dschungels konnten wir sogar noch ein paar Firelies beobachten. Das sind kleine Fliegen, die im Dunkeln leuchten und sich in den Bäumen aufhalten, die dadurch aussehen, wie ein Weihnachtsbaum mit tausend Kerzen.Einfach unglaublich schön und ein ganz besonderer Moment.

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Ein Abenteuer, das sich auf jeden Fall gelohnt hat. Man kann fast sagen, es war das Highlight der gesamten Reise. Wir waren der Natur nie so nahe und die Begegnung mit den Orang Utans war einfach einmalig.

2 comments
  1. Sabine
    Mai 25, 2014

    Danke Svenja für den tollen Berich aus dem Regenwald.
    Mögen die gepflanzten Bäume von euch in den Himmel
    wachsen.
    Liebe Grüße Hartmut und Sabine

  2. jefri
    Sep 13, 2015

    Thanks brothers

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