Unser Reiseblog

6
Mai 2014

Great Ocean Road

posted in: Australien Great_Ocean_Road_Blogtitel

Nach drei tollen Tagen bei Nick und Laura hieß es für uns wieder „Hit the Road“. Highlight der zweiten Etappe unseres Road Trips war die Great Ocean Road. Von Emerald aus ging es als erstes zur Phillip Island, einer kleinen Inseln südlich von Melbourne.
Was wir in Neuseeland verpasst hatten, wollten wir in Australien unbedingt nachholen – die Wanderung der kleinen blauen Pinguine. Im Ticketcenter der Pinguin Parade entschieden wir uns aufgrund der 20% Ermäßigung für die Premium Kategorie und saßen 30min später mit 90 anderen (die Anzahl ist auf 90 begrenzt) und einem Heißgetränk in der Hand in freudiger Erwartung auf der kleinen Tribüne oberhalb des Strandes. Jeden Abend nach Sonnenuntergang kommen die kleine Pinguine in Scharen aus dem Wasser und machen sich auf den bis zu 3km langen Weg zu ihrer Brutstätte. Dort angekommen wird ein kurzes Nickerchen gemacht bevor es am Morgen vor Sonnenaufgang bis zu 3km wieder zurück zum Meer geht um nach Nahrung zu suchen. Die Dunkelheit dient den Tieren an Land als Schutz. Würden die Pinguine während des Tages an Land gehen, wären sie eine leichte Beute für Greifvögel und andere Feinde. Pünktlich nach Einbruch der Dunkelheit war es dann soweit. Die Wellen brechen an unserem Abschnitt des Strandes recht spät und so können die Pinguine unbemerkt ziemlich gut und schnell an den Strand gelangen. Wie beim Sturm auf die Normandie schlagen auch die kleinen Frackträger überfallartig zu. In einer großen brechenden Welle konnten wir schemenhaft etwas erkennen, aber nicht sagen was. Als das Wasser sich wieder zurückzog standen sie plötzlich da, hunderte von kleinen Pinguinen, bereit den Strand zu erobern. Nach und nach spülten die Wellen immer mehr Pinguine an. Nach einer kurzen Trockenphase am Strand setzten sie ihren Weg in Richtung Landesinnere fort und passierten hierbei unseren Aussichtspunkt. Nach der 4. Landungswelle am Strand wechselten Svenja und ich unsere Position und bezogen Stellung auf dem kleinen Steg, an dem die Tiere keine 50cm von uns entfernt vorbei watschelten. Ein tolles Schauspiel und nach und nach füllten sich die zuvor noch leeren Nistplätze um uns herum und die Geräuschkulisse nahm deutlich zu.

Nach Phillip Island mussten wir noch einmal ca. 250km bis zum Start der Great Ocean Road zurücklegen. Erster Stop war der Ort Torquay, in dem die Great Ocean Road offiziell ihren Anfang nimmt. Berühmt für sein Surfmuseum und als einer der weltweit besten Surfspots. Das Surfmuseum war auch für uns ein Muss. Wir ließen uns durch die Ausstellung treiben, schauten einen Film über zwei durchgeknallte Aussies, die in allen Staaten der USA Surfen waren und schauten einem Surfboardbauer bei seiner Arbeit zu.

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Im Anschluss ging es zum Bells Beach. Voller Vorfreude den Surfern beim Reiten der großen Wellen zuzuschauen verhagelte es uns bereits beim Ausstieg auf dem Parkplatz gehörig die Laune. Hatte uns doch tatsächlich irgendein Spinner auf dem Parkplatz des Surfmuseums eine ordentliche Beule, wahrscheinlich mit seiner Tür, in unsere Fahrertür geprügelt. Er hätte ja wenigstens mal eine Nachricht hinterlassen können. Da wir in unserem Mietwagenvertrag zwar eine Versicherung für diese Art von Schäden mit drin hatten, unsere Selbstbeteiligung jedoch bei 2500AUD lag, war unsere Laune dementsprechend. Nach kurzer Diskussion entschieden wir uns, die Beule auf eigene Faust/Kosten entfernen zu lassen. Wir wollten es nicht drauf ankommen lassen, dass sich AVIS zusätzlich an uns bereichert und Mondpreise für den Schaden verlangt. Wir fuhren Richtung Melbourne zurück und suchten in der nächst größeren Stadt einen Beulendoktor auf, der den Schaden ohne Lackieren für 100AUD beseitigte. Gott sei Dank schob er uns nach einigem Bieten und Betteln dazwischen und wir konnten das Abenteuer Great Ocean Road eine Stunde später zum zweiten Mal innerhalb eines Tages in Angriff nehmen. Zurück am Bells Beach sahen wir jung und alt beim Surfen zu und ließen uns die steife Briese um die Nase wehen.

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Süden, entlang der Küste durch kleine Orte wie Anglesea und Lorne. Ein weiterer lohnenswerter Stop ist der Leuchtturm am Split Point bei Lorne. Wir nahmen uns die Zeit und erkundeten ein wenig die Gegend und genossen das Wetter. Seitdem wir in Sydney (mit Ausnahme bei unseren Freunden Nick und Laura) unser Campingabenteuer begonnen hatten, sind die Temperaturen je weiter wir Richtung Adelaide fuhren, fühlbar kälter geworden. Es wurde teilweise nachts so kalt, dass wir uns zusätzlich zu unseren Schlafsäcken noch jeweils eine Fleecedecke kaufen mussten.

Neben dem Känguru wollten wir in Australien natürlich unbedingt noch den Koalabären sehen. Laut Reiseführer und Internet soll das besonders gut im Wald um den Ort Kent River möglich sein. Auch wir wollten unser Glück beim erspähen dieser nachtaktiven Tiere versuchen und bogen am Kent River von der Great Ocean Road ab und folgten der Straße tief in einen benachbarten Eukalyptuswald. Im Schneckentempo und mit vier Augen gen Baumkronen gerichtet, folgten wir der Straße den Berg hinauf für ca. 10min bis wir unseren ersten Koala hoch in den Ästen erblickten. Nach einem kurzen Stop setzten wir unsere Suche fort und wurden im Anschluss noch ca. 10 weitere Male fündig. Wir beobachteten die Tiere beim Essen, Faulenzen und Nichtstun, halt deren Lieblingsbeschäftigungen. Leider konnten wir kein Tier so richtig aus der Nähe beobachten. Auf dem Weg zurück Richtung Great Ocean Road machten wir noch einmal Halt um unzählige wilde Papageien zu beobachten und staunten nicht schlecht, dass direkt neben uns auf Augenhöhe ein weiterer Koala in einer Astgabelung eines Baumes chillte. Den kugelrunden Teddy störte unsere Anwesenheit überhaupt nicht und er kletterte sogar von seinem Baum herunter und kreuzte unseren Weg bis er seine Krallen in den nächsten Baum schlug.

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Wir verbrachten die nächste Nacht auf dem Bimbi Park Campingplatz der auf seiner Homepage damit wirbt, dass man dort unter Koalas schläft. Wir können dies nur bedingt bestätigen. Vor zwei Jahren haben die Besitzer des Campingplatzes begonnen, die Stämme der Bäume mit Plastikhüllen zu versehen. Das hindert die Koalas daran in die Baumkronen zu klettern, wo sie die leckeren Eukalyptusblätter vorfinden. Nur an wenigen Stellen im Park findet man noch Bäume, die keinen Koalaschutz haben und diese Bereiche sind aktuell für´s Campen nicht freigegeben. Nach einer Nacht ohne Koalas über dem Zelt fuhren wir am Morgen ein wenig durch den Otway Nationalpark, in dem auch der Bimbi Park liegt und sahen noch eine Menge Koals, die meisten allerdings schlafend hoch oben im Baum sitzend. Ein kleiner Teddy war allerdings interessiert an uns und krabbelte den Stamm herunter, bis er etwa auf Augenhöhe sitzen blieb und wir nicht nur ihn, sondern er auch uns beobachtete. Süße Tiere. Am liebsten würde man sie zum Kuscheln mit nach Hause nehmen.

Zwischen Princetown und Port Campbell liegen die Twelve Apostle (deutsch Zwölf Apostel). Bis zu 60 Meter hohe, im Meer stehende Felsen aus Kalkstein. Nach dem Uluṟu (Ayers Rock) die meistfotografierte Touristenattraktion in Australien. Wir schlenderten bei Nieselregen und Sturm an den Klippen entlang und genossen die Ausblicke von den unzähligen Aussichtsplattformen. Am schönsten sind die Klippen und Felsen bei Sonnenuntergang.

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Trotz ihres Namens bestand die Formation nur aus neun Felsen. Nachdem 2005 ein 50m hoher Felsen aufgrund starker Brandung und Unterspülung über die Jahrhunderte an der Basis des Felsens in sich zusammenstürzte, waren es nur noch acht Felssäulen. Im September 2009 stürzte ein weiterer Felsen in sich zusammen. Die starken Gezeiten an diesem Küstenabschnitt werden in den kommenden Jahrhunderten das Bild weiter verformen und die aktuell noch vorhandenen Apostel vermutlich einstürzen lassen, aber auch neue entstehen lassen.

Von Nick und Laura wurde uns noch der Ort Mount Gambier ans Herz gelegt. Um die verbleibenden 500km bis nach Adeleide ein wenig zu stückeln, machten wir dort Halt und besuchten den versunkenen Garten (ein durch Wasser geformter Krater im Boden, der vor ca. 100 Jahren das erste Mal von einem Engländer bepflanzt wurde und noch heute gepflegt wird. Auch der Blue Lake oder ein Spaziergang um den Kratersee sind sehr lohnenswert.

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Wir haben auf unserem Road Trip entlang der Küste von Sydney nach Adelaide insgesamt 3300km zurückgelegt. Wir haben warme und bitterkalte Nächte im Zelt verbracht und uns hauptsächlich von Nudeln (in der Wildnis) und Kängurusteak (auf den Campingplätzen) ernährt. Alkohol gab es aufgrund der hohen Preise eigentlich keinen und wenn, dann nur einen Wein aus dem Tetrapack ;).

Wenn ich im Vorfeld an Australien gedacht habe, hatte ich Bilder mit endlosen Weiten, roter Erde, wenig Vegetation, vielen springenden Kängurus und brüllend heißen Temperaturen vor Augen. Was wir von Australien gesehen haben, war das komplette Gegenteil. Entlang der Küste fuhren wir durch sattes Grün, dichte Wälder, hatten starken Nebel und eine Menge Regen. Auch das Finden von Kängurus gestaltete sich durchaus schwierig. All meine Erwartungen von Australien trafen auf den Südosten nicht zu und so werden wir wohl noch einmal wiederkommen müssen, damit dieser Kontinent beim Bereisen des Outbacks meinen Vorstellungen gerecht wird ;).

Nichtsdestotrotz war Australien, gerade wegen der Zeit mit Freunden wie Laura und Nick oder Fay und Toni ein echtes Highlight.

3 comments
  1. Ingo
    Mai 14, 2014

    Hallo Kids,
    nun rückt das Wiedersehen unaufhaltsam näher! Wir freuen uns schon ganz tüchtig, auch wenn wir verstehen können, dass Eure Gefühle gemischt sein dürften.
    Ihr habt uns in den letzten Tagen ja wieder mit reichlich Lesestoff versorgt! Wir bewundern Euren Fleiß. Sind wieder tolle Beiträge mit wirklich schönen Bildern!
    Viele liebe Grüße,
    Claudia & Ingo

  2. Sabine
    Mai 19, 2014

    Hallo ihr Lieben,
    wieder mal habt ihr uns mit euren spannenden Reisebrichten
    sehr gut informiert,danke. Jetzt geht eure Reise bald dem Ende zu.
    Wir freuen uns riesig auf euch.
    Bis bald Hartmut & Sabine

  3. Erich und Anita
    Mai 21, 2014

    Hallo liebe Svenja, lieber Kai,
    Einfach fantastisch, eure ausführlichen Reiseberichte, habe schon länger nicht mehr reingeschaut und war jetzt erstaunt, was ihr wieder alles erlebt habt in der Zeit.
    Echt Klasse!
    Wir wünschen euch noch recht schöne Tage auf eurer Weltreise und ein freudiges Wiedersehen in der alten Heimat mit euren Familien und Freunden.
    Liebe Grüße
    Erich und Anita

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