Unser Reiseblog

28
Apr 2014

Footy und Bier in Melbourne

posted in: Australien Melbourne_Blogtitel

Nach den ersten drei Nächten im Zelt waren wir froh, bei Laura und Nick in Emerald in der Nähe von Melbourne ein bequemes warmes Doppelbett vorzufinden.
Die beiden haben nach ihrer Mittel-und Südamerikareise ein kleines Haus, allerdings mit drei Schlafzimmern und zwei Wohnbereichen sowie großer Terrasse mit einem unglaublich schönen Ausblick über „The Hills“ bezogen, welches so versteckt am Hang liegt, dass wir es erst gar nicht finden konnten. Als wir dann endlich vor der Tür standen und Nick uns aufmachte, war die Wiedersehensfreude groß und wir verbrachten einen netten ersten Abend mit selbst gemachter Pizza und australischem Bier. Laura und Nick leben allerdings nicht allein. Sie haben sich vor kurzem eine kleine Katze zugelegt. Eine etwas andere Katze. Sie ist fast nackt, was den Vorteil hat, dass sie auch für Allergiker „geeignet“ ist und sie ein bisschen aussehen lässt, wie Gollum aus den Herr der Ringe Filmen. Nach ein paar Stunden hat man sich aber an den Anblick der haarlosen Katze gewöhnt und beim Spielen und Schmusen sowie Beobachten ihrer verrückten 5 Minuten verliebt man sich schnell in das kleine Tierchen, namens Anouk.

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Wir hatten drei volle Tage Zeit um die Umgebung von Melbourne kennenzulernen und ein paar typisch australische Dinge zu tun. Am ersten Tag besuchten wir zunächst Lauras Eltern, die ca. 10 Autominuten entfernt in den Hügeln ein großes selbst gebautes altes Landhaus bewohnen, welches gerade durch einen neuen Anbau vergrößert wird. Aus dem Garten, in dem wir zusammen mit den Eltern und deren Nachbarn ein kleines Picknick veranstalteten hat man einen wahnsinnigen Blick über das 10ha große Anwesen sowie weitere Wälder, Wiesen und Berge. Leider waren keine Kängurus ausfindig zu machen. Diese halten sich in den Hügeln oft morgens oder bei Sonnenuntergang auf. Ganz zum Leidwesen von Lauras Mutter, die die Tiere oft aus dem Garten verscheuchen muss, damit sie ihr nicht sämtliche Blumen abfressen. Später machten wir noch ein paar Spaziergänge in der Umgebung und kletterten zu einem bei Nick und Laura sehr beliebten Aussichtspunkt, von dem aus man einen Blick bis nach Melbourne hat. Hier machen es sich die beiden oft mit einer Flasche Wein gemütlich und genießen den Sonnenuntergang. Am Nachmittag fanden wir uns dann im Wohnzimmer der beiden ein um Footy zu schauen. Annähernd alle Australier sind begeisterte Australian Football Fans und schauen die Spiele entweder im Stadion oder fiebern zu Hause vor dem Fernseher mit. Der australische Football ist eine Mischung aus Rugby und American Football. Die Spielregeln sind einfach: Es gibt keine. Nein, Spaß bei Seite, so sieht es nur für einen Deutschen aus, der noch nie ein Australian Football Match gesehen hat. Gespielt wird auf einem bis zu 185m langen und 135m breiten ovalförmigen Rasen mit einem Football, der allerdings nicht geworfen sondern nur gestoßen oder geschossen werden darf. Ein Team hat 18 Spieler auf dem Spielfeld, kann aber ständig auswechseln, was bei der Laufleistung, die die Spieler hier erbringen müssen, auch bitter notwendig erscheint. Gespielt wird nämlich insgesamt 2 Stunden, Pausen nicht eingerechnet. Auf der jeweils gegnerischen Seite befinden sich, wie Tore angeordnete 4 hohe Stangen. Wer den Ball zwischen die zwei innenliegenden Stangen befördert, erhält 6 Punkte, wer eines der äußeren „Tore“ trifft, erhält 1 Punkt. Ebenfalls nur 1 Punkt gibt es, wenn ein Team die Stange trifft, etwa zu vergleichen mit Pfosten beim Fussball. Das Spiel ist so populär, dass fast jede Stadt ein eigenes Stadion hat, die Kids schon in der Schule trainiert werden und die Player, die es in die erste Liga schaffen, Millionen verdienen. Nicks Schwester und deren Mann kamen auch noch vorbei und so wurde es ein heiterer Nachmittag mit Bier und Chips und vielen Diskussionen über das Spiel, vermeintlich falsche Entscheidungen und die Beliebtheit der Teams. Das wichtigste, was wir an diesem Nachmittag lernten, war allerdings das Wort „Bogans“, was so viel bedeutet wie Proll und für eine ganz bestimmte Art Mensch benutzt wird, die es in Australien wohl zu Hauf gibt, mit denen man sich aber besser nicht anlegen sollte. Ein Bogan zeichnet sich durch mindere Intelligenz, Muckibuden Outfits, wie ärmellose Muskelshirts, sowie Tätowierungen aus. Meist trifft man sie im Bottelshop oder in bestimmten Pups an, rauchend und grölend, versteht sich. Nein, wir haben keine Vorurteile, wir geben nur wieder, was Nick und Laura uns über die Bogans erzählt haben 😉 Am Abend gab es dann noch ein leckeres Steak vom BBQ und ein paar weitere australische Biersorten, damit wir Bilder für Kais Collage sammeln konnten.

Der Samstag war verregnet und so taten wir das, was die Leute aus und um Melbourne herum am liebsten tun an solchen Tagen. Sie fahren hinaus in die Weinberge und lassen sich auf den verschiedenen Weingütern den Wein und den Cider bei einer typischen Weinprobe schmecken. Mmhhhh, lecker. Beim zweiten Weingut wird sogar ein ganz besonderer Service angeboten, den wir selbstverständlich in Anspruch nahmen. Auf der überdachten Terrasse steht ein riesiger Gasgrill, den die Gäste benutzen dürfen und so zum hauseigenen Wein ihr mitgebrachtes Mittagessen, in unserem Fall Bratwurst im Brot mit Schmorzwiebeln und Ketchup, sowie Salat, zubereiten und verspeisen können. Tolle Sache.

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Das Wetter hätte zwar besser sein können, aber wir ließen uns die gute Stimmung nicht von ein paar Regentropfen vermiesen. Nach der dritten Weinproben waren wir schon etwas angedüdelt (bis auf Nick, der den Wein immer brav in den Eimer spuckte) und so kam die Käserei, die auf dem Weg lag gerade recht. Wir probierten super leckeren Käse, überwiegend aus Ziegenmilch und Kai und ich kauften ein bisschen Frischkäse mit Kräutern, damit wir für den Abend einen Dip für unsere Kräcker hatten. Auf dem Heimweg hielten wir dann noch in einem ganz speziellen Park. Die Sonne stand kurz vorm Untergang, also die beste Zeit um Kängurus zu beobachten. Und tatsächlich: In dem Park tummelten sich etliche der süßen Tiere, die aussehen wie eine Mischung aus Hase, Pferd und Reh, zumindest was den Kopf anbelangt. Wir waren hin und weg, völlig begeistert, hatten wir doch beide noch nie ein Känguru aus solcher Nähe gesehen, selbst im Zoo nicht. Die Tiere hatten kaum Scheu und ließen sich daher beim Fressen nicht aus der Ruhe bringen. Wir verbrachten bestimmt eine Stunde damit, die Kängurus zu beobachten und konnten gar nicht von ihnen lassen, aber es wurde schon dunkel und auf unserem Plan stand noch ein Abendessen in Nick und Lauras Lieblingspup. Ein toller Tag, den wir so schnell nicht vergessen werden.

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Was hatten wir nun noch nicht gesehen. Richtig. Melbourne. Da Nick und Laura sonntags in die Kirche gehen, nutzten wir die Zeit und fuhren mit dem Zug, der etwa eine Stunde bis ins Zentrum braucht, in die Stadt und bummelten zunächst über den Victoria Market. Hier gibt es überwiegend Souvenirs für Touristen, aber auch Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, Käse und Backwaren. Wir nutzen die Gelegenheit und kauften ein paar Zutaten für das geplante Abendessen ein. Mexikanisch. Nachdem bisher immer nur Nick und Laura eingekauft hatten und das Essen zubereiteten, wollten wir uns revanchieren und zumindest den letzten gemeinsamen Abend ausrichten. Später trafen wir die beiden dann noch in der Stadt, schlenderten die Promenade am Fluss entlang, tranken einen leckeren Eiskaffee und fuhren auf dem Rückweg am Strand vorbei, an dem wir noch ein wenig das australische Lebensgefühl genossen. Die Menschen kommen hier her, um zu surfen, zu skaten, sich zu sonnen, spazieren zu gehen, gut zu essen und zu trinken und um einfach die Seele baumeln zu lassen. Die große Kunst besteht nun darin, sich etwas von diesem Feeling zu bewahren und in den ja – leider – bald auch für uns wieder kommenden Alltag zu retten.

Wir hatten eine tolle Zeit in Melbourne und sind froh, Nick und Laura wieder gesehen zu haben. Hoffentlich hält die Freundschaft und die beiden kommen uns auch mal in Deutschland oder wo auch immer wir in Zukunft leben werden besuchen.

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